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GROSS ELBE. Draußen pfeift der Wind durch alle Ritzen. Die Bäume neigen sich hin und her. Es regnet, ist dunkel und ungemütlich. Die Straßen sind menschenleer. Im Innern eines Fachwerkhauses in Groß Elbe in Salzgitters Umland jedoch herrscht am Samstagabend reges Leben. Menschen plaudern, trinken, lachen. Alle haben eines gemein: Sie haben sich von ihrer Wolldecke und dem heimischen Sofa getrennt, um den Weg hierher auf sich zu nehmen, in Haller's Kulturcafé. Der Anlass: Eine Vernissage und eine Lesung. Am 20. November vergangenen Jahres erst feierte das kleine Café seine Eröffnung. Nachdem es Besitzer Hans Harry Lampe Jahre lang als Wohnhaus gedient hatte, baute er es in rund sieben Jahren Eigenregie zu einer gemütlichen Gaststätte um. Nun wohnt er nur noch in der ersten Etage des Hauses. Nicht minder liebevoll als ein heimisches Wohnzimmer ist sein Café aber eingerichtet. Die rustikale Schale aus kühlem Backstein und dunklem Fachwerk bietet im Zusammenspiel mit einer liebevoll zusammengestellten Einrichtung eine einladend warme Atmosphäre. |
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Doch damit nicht genug, zieren doch zarte und farbenfrohe, kleine und große Aquarell-Bilder von nun an drei Monate lang das Mauerwerk zwischen dem schwarzen Gebälk. Eine Ausstellung von Künstlerin Urte Schmuck aus Sibbesse ist der Grund.
Nicht nur für das Kulturcafé ist eine derartige Veranstaltung damit Premiere. Auch Urte Schmucks Aquarelle sind bisher der Öffentlichkeit verwehrt geblieben. 37 Kunstwerke, die mal verschwommen und verwischt das Motiv nur schemenhaft erahnen lassen, mal durch klare Linien und Farben die Realität detailgetreu abbilden.
"Vor rund 20 Jahren habe ich mit der Malerei begonnen", verrät die 43-Jährige. Während sie in der ersten Zeit lediglich Aquarelle gemalt habe, sei sie vor fünf Jahren auf Acryl umgestiegen. Eine Veränderung in ihrem Leben sei Grund für den Stilwechsel gewesen. "Malerei ist schließlich immer ein Ausdruck des Inneren", erklärt Schmuck.
Erst jetzt sei sie endlich bereit gewesen, ihre bis zu 16 Jahre alten Aquarelle, die aus der Zeit vor der Veränderung stammen, auszustellen. Der Lebenswandel, von dem Urte Schmuck hier spricht, lässt sich auch in ihrer Lesung über den Spannungsbogen zwischen Liebe und Schmerz erahnen.
In ihren Gedichten über Freundschaft, Trennung, Verarbeitung sowie Erotik offenbart Urte Schmuck dem Zuhörer zu Musik von Mandus Munk an der klassischen Gitarre ein Stück ihres ganz persönlichen Mikrokosmos'. Die Zuhörer sind begeistert. Während Urte Schmuck liest, ist es ganz still - plötzlich hört man sogar den Wind draußen wieder pfeifen.
In Kooperation mit der Künstlergruppe und Ausstellungsorganisation Holler Art sind in Haller's Kulturcafé von nun an Ausstellungen dieser Art in dreimonatigem Wechsel geplant, gibt Vereinsvorsitzende Elke Braukmüller freudestrahlend bekannt. "Eine perfekte Symbiose", findet auch Hans Harry Lampe: "Ich mache die Gastronomie, und die Künstler der Holler Art haben eine weitere Ausstellungsmöglichkeit gefunden."
Ein einfaches Konzept, das tatsächlich Erfolg verspricht. So drängten sich Samstagabend gleich auf Anhieb gut 50 Personen in den drei Zimmern der Gaststätte um einen kulturreichen Abend zu erleben. Dafür hat sich die Trennung von der kuscheligen Wolldecke doch wirklich gelohnt.
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